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Neues über Norbert von Hannenheim

Norbert von Hannenheim (1898-1945), laut vieler seiner Zeitgenossen der interessantste Schüler Schoenbergs aus seiner Berliner Zeit (1925-1933), kann sich einem wachsenden Allgemeininteresse erfreuen.
Nachdem der Deutsche Verein 'musica-suprimata' vor einiger Zeit ein Hannenheim Kolloquium organisiert hat, sind jetzt auch drei neue, ausschliesslich Hannenheim gewidmete  CD's erschienen.
Eine davon wurde sogar von der Amsterdamer Zeitung 'Het Parool' rezensiert (siehe unten).

Für weitere Informationen über Hannenheims Werke und seinem turbulenten Leben, besuchen Sie bitte unsere Website unter Bibliothek/Hannenheim oder die Website www.musica-suprimata.eu.


Erik Voermans in Het Parool (Amsterdam) 5. Juli 2016

Hannenheim, eine große, vergessene Begabung

Ein guter Ruf und Ruhm beruhen auf Qualität, aber sicherlich auch auf der freundlichen Laune des Zufalls. Wurdest du im falschen Land geboren oder sogar in der falschen Stadt, und fehlten dir die richtigen Dozenten? Dann vergiss das Lemma im Lexikon.

Erfüllst du aber alle Bedingungen, aber hast du Gegenwind, dann kann es noch immer schief gehen.

So zeigt sich die Geschichte des Norbert von Hannenheim (….) – ein außerordentliches Musiktalent, dass von der Musikgeschichte verschlungen wurde.

Er studierte in Leipzig bei Paul Graener, in Budapest bei Alexander Jemnitz und an der  Preussischen Akademie der Künste bei Arnold Schönberg., der ihn einen seiner ‘allerinteressantesten Begabungen’ nannte. Er sagte ihm eine grosse Zukunft voraus.

Es lief anders. Während Alban Berg und Anton Webern, die zwei bekanntesten Schüler Schönbergs, Weltruhm erwarben und auf den Lauf der Musikgeschichte einen großen Einfluss ausübten, starb Hannenheim im Alter von 47 Jahren im Irrenhaus.

Nebendrama: er hatte seine wichtigsten Manuskripte in einen großen Koffer verpackt und bei der Berliner Kommerzbank deponiert. 1943 wurde die Bank von den Allierten ausgebombt. Das Los des Koffers lässt sich erraten.

Die Stücke, welche erhalten geblieben sind, litten eine schlummernde Existenz.

Erst um den Jahrhundertwechsel herum tauchten andere Werke Hannenheims wieder auf.

Die Bratschistin Aida Carmen Sonea und der Pianist Igor Kamenz haben sieben Werke von Hannenheim auf einer CD eingespielt.

Glanzvolle Musik, welche man am besten als außergewöhnlich lyrische Dodekaphonie bezeichnen kann, die im sehr starken Duo für Geige und Bratsche  auch noch unverkennbar an Bartók erinnert.

Es ist bemerkenswert, dass Hannenheim sich nicht der extremen Artikulationsformen der Zweiten Wiener Schule bediente, wodurch die Musik ein schönes, traditionalistisches Antlitz bekommt.

(Übersetzung: Werner Herbers, Stiftung Ebony Band)